Entwurmung, eine notwendige Behandlung die leider auch Risiken birgt
Unsere Welpen entwickelten sich prächtig, die Mutterhündin war in ihrem Verhalten vorbildlich. Es war ein Genuß zu sehen wie die Kleinen wuchsen und immer agiler wurden.
Sie wurden, wie es ja sein muß im Alter von 2, 4 und 6 Wochen erstmals entwurmt. Die ersten beiden Male mit Pyrantelpaste, dann mit Milbemax. Dieses Mittel nutzten wir schon seit Jahren ab der 6. Woche.

Dann plötzlich mit 6 ½ Wochen zeigte die kleine Hündin Auffälligkeiten:
Wir hatten den Eindruck das sie Sehstörungen hatte und sie kippte mit der Hinterhand weg. Zuerst dachten wir es sei Tapsigkeit des Welpen aber es verschlimmerte sich und so vereinbarten wir einen Termin in einer renommierten Klinik mit gutem Orthophäden. Da wir den frühesten Termin erst 5 Tage später bekamen sammelten wir vorsichtshalber auch während dieser Zeit Kotproben.

Als wir sie dann in der Klinik vorstellten hatte die Ataxie auch auf die Vorderhand übergegriffen, sie lief zwischendurch wie betrunken umher. Außerdem zitterte sie nun bei Aufregung wie Espenlaub. Es wurden Blutproben genommen und sie wurde komplett durchgeröngt.

Die Kotprobe ergab keinen Wurmbefall (1 Tag später fand ich im Kot einen mittelgoßen Spulwurm), Röntgenaufnahmen und Patellatest ergaben keine Auffälligkeiten, Bluttest war im Normalbereich, wurde aber noch zu Laboklin geschickt mit Test auf Staupe.

Der Tierarzt äußerte den Verdacht das eine Verkümmerung der Lebergefäße zu einem Giftstofftransport zum Gehirn führen könnte (Lebershunt). Hierzu müßte man ein MRT machen lassen das aber nur wenige Kliniken anbieten.
2 Tage später hatten wir dann einen Termin zum MRT in einer großen Klinik mit Neurologen. Dieser meinte in diesem Alter würde der Welpe die 1 stündige starke Vollnarkose die für ein MRT notwendig ist wohl nicht überleben. Von den Symptomen her könne er eigentlich den Verdacht auf Lebershunt nicht bestätigen, er hätte den Verdacht auf eine angeborene Ataxie würde gerne einen Spezialisten in München kontaktieren. Er rief auch gleich dort an und teilte uns mit man sollte wenn die Kleine etwas kräftiger ist eine Muskelbiopsie durchführen lassen. Der Kollege in München würde diese dann untersuchen da es für ihn sehr interessant sei, ihm wäre noch kein Fall in diesem Alter bekannt.
Geschockt traten wir die lange Heimfahrt an und mußten alles erst einmal sacken lassen. Wir wollten das der Kleinen geholfen wird und natürlich auch wissen ob eine Erbkrankheit vorliegt.

Nur wer einen Welpen mit Ataxie erlebt hat kann unsere Gefühle nachvollziehen, wir waren oft den Tränen nahe! Die bohrenden Fragen: Quälen wir sie? Hat sie überhaupt eine Chance ein würdiges Leben zu führen?
Mittlerweile trafen wir die Entscheidung das unsere Kleine kein Versuchskaninchen wird. Wir würden alles untersuchen lassen was man über Blutserum untersuchen kann, Biopsien nur nach ihrem Tod bei der Obduktion (wir rechneten fest damit das wir sie erlösen müssen).
Zeitnah kam dann der von mir angeforderte schriftliche Bericht des Neurologen, hier empfehle ich jedem Tierhalter sich diese Berichte aushändigen zu lassen!

Diagnose: Verdacht auf Myasthenia gravis (MG)

Nun hatte ich 2 Namen der Feinde die unsere Kleine scheinbar angreifen: Lebershunt und MG!
Einen Feind den man kennt kann man bekämpfen! Nun las ich alles was man über diese Krankheiten veröffentlicht hat und schau an, beide Erkrankungen kann man über das Blutserum feststellen!
Die erst behandelte Klinik meldete sich wegen dem eingetroffenen Testergebnis auf Staupe. Dieser war negativ und ich besprach mit dem Tierarzt den Test auf MG. Da das Großlabor noch Blutserum von der Kleinen vorhanden war wurde dieser Test gleich beauftragt. Dann vereinbarten wir den Termin zum Test auf Lebershunt. Also morgens den Welpen nüchtern zur Blutentnahme bringen, ihn füttern und 1 ½ Stunden später eine 2. Blutentnahme. Außerdem ließen wir das entnommene Blut in gleichzeitig auf Degenerative Myelopathie (DM) testen um auch diese bei Großhunden vorkommende Erbkrankheit abzudecken.
Ich bin es beruflich gewohnt Alles und Jeden zu hinterfragen. Hier zeigte es sich wieder wie richtig ich damit liege!
Um den Lebershunt zu untersuchen wurde uns zum MRT geraten, obwohl man es per Blutserum feststellen kann.
Kosten MRT mit extrem hohem Risiko für den Welpen: mind. 1000 €, Test anhand von Blutserum über Labor (etwas zeitraubend aber ohne Gefahr für den Welpen) ca. 50 €.
Um die MG zu untersuchen wurde uns zur Muskelbiopsie geraten auch mit Narkoserisiko etc., auch die MG kann per Blutserum nachgewiesen werden!
Kosten Biopsie (Freundschaftspreis wegen hohem Interesse für die Forschung) ca. 700 €, Test anhand von Blutserum über Labor 79 €.
Insgesamt gingen gute 2 Wochen ins Land mit guten und mit schlechten Phasen. Immer wieder stellten wir uns die Frage ob unsere Kleine je ein gutes Leben führen kann, das sie bei uns bleiben sollte stand außer Frage.
Die Hinterhand wurde stabiler, die Zitteranfälle wurden leichter aber die Vorderhand zeigte jetzt Ausfälle die so stark waren das die Kleine mit dem Kiefer auf den Boden schlug.
Mittlerweile waren die Laborergebnisse da:

Lebershunt = negativ
Myasthenia gravis = negativ
Degenerative Myelopathie = negativ

Ich besprach mit dem Tierarzt das wir sie vorerst nicht impfen lassen. Er meinte auch bitte nicht entwurmen. Entwurmungsmittel seien schließlich Nervengifte!
Da gingen bei uns aber alle Alarmglocken an. Die Symptome begannen 2 Tage nach der letzten Entwurmung!
Nun wurde das Internet befragt und folgende Nebenwirkungen sind von dem Mittel bekannt :
neurologische Symptome (wie Muskelzittern, Ataxie und Krämpfe).
Nun war mir klar: Ich habe dieses Leid über die Kleine gebracht mit Vertrauen auf ein Mittel das ich seit Jahren anwende, weil es von einigen Züchterkollegen und Tierärzten empfohlen wurde.
Meine Wut über mich und über den gesamten Umgang in der Hundeszene mit Chemokeulen kann ich nicht zum Ausdruck bringen.
Dann plötzlich kam die Wende, abends grübelte ich noch ob die Kleine je wieder gesund wird!
Morgens um 2.30 Uhr, ich schlief auf dem Sofa, wurde geweckt. Die Kleine stand auf den Hinterbeinen, zog an meinem Kissen und schaute mich mit klaren Augen an: „Ich bin daaaa!“
Seitdem ist sie wie sie vor der 6. Woche war, ein gesunder agiler Welpe.
Verfasser
Brigitte Schiff